Selbstmitgefühl

Warum fällt es uns so schwer freundlich und liebevoll mit uns selbst umzugehen? Meist gilt, keinen anderen Menschen behandeln wir so schlecht, wie uns selbst.

Wir kritisieren uns für unsere Schwächen und für das, was wir getan oder unterlassen haben. Wir  hadern mit uns und verzeihen uns unsere Fehler und Irrtümer nur schwer. Geht etwas schief in unserem Leben (und im Leben aller Menschen geht immer wieder etwas schief), dann geben wir uns die Schuld und schämen uns. Wir denken, etwas muss mit uns nicht in Ordnung sein und wir machen uns daran, uns zu verbessern.

Wir fordern viel von uns selbst, wir treiben uns an, erwarten Perfektionismus und ein optimales Agieren und Verhalten in jeder Situation.

Warum gehen wir so hart und ungnädig mit uns um?

Geht es unserem Freund, unserem Kind schlecht, trösten wir es. Wir sprechen liebevolle und unterstützende Worte, wir hören zu, wir sind ganz bei ihm, wir bringen Verständnis entgegen. Wir sehen den Schmerz dieses Menschen, sehen, dass er leidet und wir empfinden mit ihm – das ist Mitgefühl, wir sind voller Mitgefühl mit diesem Menschen. Durch unser Dasein für ihn, durch unsere aufmerksame Zuwendung, durch unser Mitgefühl wird dem Anderen leichter ums Herz. Schmerz und Leid lassen nach und verschwinden.

All das zu tun ist einer Person gegenüber, die wir lieben eine Selbstverständlichkeit.

Das Gleiche auch für uns zu tun – da sperrt sich innerlich etwas. Das haben wir nicht gelernt, das ist uns fremd. Das empfinden wir als unangebracht.  Das Wort Selbstliebe klingt „unangemessen“ in unseren Ohren, klingt nach Egoismus und unter Selbstmitgefühl können wir uns wenig vorstellen.

Selbstliebe bedeutet: Sich selbst ebenso Liebe entgegenbringen, wie wir anderen Liebe entgegenbringen. Selbstliebe bedeutet, sich selbst miteinbeziehen in das Geben, das Schenken von Liebe.

Mitfühlend und liebevoll mit sich selbst umzugehen ist eigentlich die natürlichste Sache der Welt. Stellen Sie sich zum Beispiel folgende Situation vor:  Sie haben sich in den Finger geschnitten. Selbstverständlich werden Sie die Wunde säubern und verbinden und damit den Heilungsprozess unterstützen. Sich um Ihre Schnittwunde kümmern ist ein Ausdruck von Selbstmitgefühl. Wenn es dagegen um unsere emotionalen Wunden geht, zeigen wir in der Regel ein anderes Verhalten. Unangenehme Gefühle bekämpfen wir eher, selbst wenn wir merken, dass wir uns dadurch eher schlechter als besser fühlen. Könnte es nicht eine gute Idee sein, auch den emotionalen Verletzungen mit Fürsorge und (Selbst-) Mitgefühl zu begegnen?

Christopher Germer, Psychologe, Psychotherapeut, Autor und Koriphäe zum Thema Selbstmitgefühl schreibt:

„So ein Augenblick, in dem Sie mitfühlend und liebevoll mit sich selbst umgehen, kann Ihren ganzen Tag verändern und viele solcher Momente können Ihrem Leben eine ganz neue Richtung geben.“

Selbstmitgefühl, Selbstachtung, Selbstliebe und Selbstannahme gehören zusammen. All diese Qualitäten können Sie entwickeln. Möchten Sie mehr darüber erfahren?

Um Selbstmitgefühl zu entwickeln braucht es Achtsamkeit.

Achtsam sein bedeutet auf eine bestimmte Art aufmerksam zu sein. Wer achtsam ist, nimmt im gegenwärtigen Moment die Dinge bewusst so wahr, wie sie sind, ohne zu urteilen, ohne zu bewerten.

Achtsamkeit zielt darauf ab, bewusst im Hier und Jetzt zu leben, ohne Urteil, ohne Bewertung. Es geht darum, dem Moment mehr Aufmerksamkeit zu schenken. So gelingt es Ihnen, den inneren Autopiloten abzuschalten und das Gedankenkarussell zu stoppen. Achtsam zu sein ist der Schlüssel zu Gelassenheit, Auflösung von Stress und einer deutlich besseren Lebensqualität

Wir werden sozusagen, immer wieder, zu einem inneren Beobachter, der eine neutrale Position einnimmt. Je stärker dieser innere Beobachter wird, und er wird stärker, je öfter wir uns in Achtsamkeit üben, umso seltener werden wir von unseren sprunghaften, Stress verursachenden Gedanken und unangenehmen Gefühlen mitgerissen.

Somit schenkt gelebte Achtsamkeit mehr

  • Verständnis
  • Akzeptanz
  • Selbstannahme

und ist der Schlüssel zum Umgang mit Stress und schwierigen Situationen. Sie handeln selbstbestimmter und situationsangemessener. Die Qualität Ihres Denkens wird sich verändern, innere Ruhe, Klarheit und Gelassenheit kehren ein.